Abgelegt unter: Gedanken | Tags: Berechnung, Dekompression, Kalkulation, rockbottom, Stages, verloren gehen, Weiterentwicklung
In einem anderen Post hatte ich die Rockbottom Kalkulation ja bereits vorgestellt wie sie auch in vielen Kursen gelehrt wird. Was jedoch sowohl in dem angehängten Excel Tool ignoriert wird als auch in den meisten Gedanken zu dem Thema ist alles, was sich nach dem Wechsel auf das erste Dekogas abspielt. Die Berechnung geht davon aus, daß die größte Gefahr in der Tiefe beim Verlust des Bottomgases lauert. Doch ist dem wirklich so?
Nach einer Frage im blauen Forum, ob eine Leash wirklich so eine tolle Idee sei, da beim Verlust der Leash das ganze Gas-Pack weg wäre kam mir plötzlich der Gedanke, was denn tatsächlich wäre, wenn solch eine Situation eintreten sollte. Wie viele Taucher planen generell mit einem Rockbottom und wie viele davon planen dann auch einen Rockbottom für das Dekogas? Die Zahl wird immer geringer. Das ist aus meiner Sicht ziemlich gefährlich, da besonders durch ausfallende Dekogase die Zeit in der Deko drastisch verlängert wird. Dabei fielen mir wieder die Gedanken zur Bleimenge ein und daß man davon ausgeht, daß in diesen flachen Bereichen nichts mehr passiert…
Aufbauend auf den Standardgasen von ISE und dem Rockbottomtool von Daniel Boche, was ich bereits einmal etwas weiterentwickelt habe, habe ich nun eine weitere Stufe aufgebaut, in dem ich auch einen Rockbottom für die Dekogase aufnehme. Die neue File könnt ihr hier herunterladen.
Momentan hat das Tool noch die klare Schwäche, daß es von einer Deko zu 100% auf der jeweils tiefsten Stufe ausgeht. Da muß man wohl mehr Eingaben fordern. Ein entsprechender Umbau folgt bald.
EDIT: Die Schwäche wurde in einer Version 3.2 inzwischen behoben und in 3.3 wurden weitere Funktionen ergänzt!
Abgelegt unter: Gedanken | Tags: Berechnung, Dekompression, DoF, Formel, Mathematisch, Modelle
Ein münchner Tauchbuddy, Robert, hat sich die Mühe gemacht und mit dem Hintergrundwissen eines Physikers die Berechnung von Dekomodellen für mathematische Laien (wie z.B. mich) zu erklären. Das Ergebnis finde ich so gut, daß ich es niemandem vorenthalten möchte und so könnt ihr das Paper hier downloaden. Besonders der Teil zu den Blasenmodellen war mir gänzlich neu und dürfte einigen eingefleischten Suunto (oder auch Mares -.-) Nutzern zu denken geben.
Abgelegt unter: Gedanken | Tags: Air Break, CNS, Dekompression, Sauerstoffenster, ZNS
Bei der Dekompression mit Dekogasen wird im 6m Bereich reiner Sauerstoff zu atmen begonnen und dadurch der ppO2 auf 1,6 gehoben. Da man diesen Partialdruck eigentlich als gesetzte Höchstgrenze ansieht (besonders nach längeren und anspruchsvolleren Tauchgängen) stellt sich die Frage, weshalb diese Vorgehendweise empfehlenswert ist. Die Antwort heißt “Sauerstoffenster”. Davon liest man immer wieder, aber richtig erklärt ist es selten. Daher hier die kurze (wie immer rudimentäre) Aufklärung.
Im Blut wird Sauerstoff durch rote Blutkörperchen transportiert. Die Lunge und der Hämoglobinwert definieren hierbei wie viel Sauerstoff durch den Körper geschickt werden. Das Blut wird durch Kapilare bis zum letzten Eckchen des Körpers transportiert. An der Stelle des jeweiligen Verbrauchs des Sauerstoffs wird der Sauerstoff aus dem Blut entnommen und umgesetzt.
Dieser Prozess setzt sich auch unter Druck fort während gleichzeitig andere Gase sich ebenfalls im Blut und Gewebe lösen. Die Folge ist die klassische, bekannte Aufsättigung. Je nach Tiefe und Druck gibt es bekanntlich eine Maximalmenge an Gas, die sich im Gewebe lösen kann. Beim Auftauchen definiert die Gewebeart und deren Halbwertszeit sowie das jeweilige Gas die Geschwindigkeit mit der das Gewebe absättigt. Um jetzt die Dekompression zu beschleunigen wird reiner Sauerstoff geatmet. Auch dieses Gas löst sich im Blut zu einem gewissen Teil und sättigt das Gewebe auf. Da der Körper und alle “Verbraucher” von Sauerstoff diesen verwerten räumt das Gewebe dem Sauerstoff einen priviligierten Platz ein. Das bedeutet, daß nicht nur über das Blut Sauerstoff aufgenommen werden kann, sondern das im Gewebe gelöste Gas ebenfalls verwertet wird. Dazu wird der gelöste Stickstoff aus dem Gewebe diffundiert und durch Sauerstoff ersetzt, der dann verwertet wird. Dieser Effekt verdrängt den Stickstoff oder auch Helium (wobei durch die geringe Halbwertszeit hier maximal sehr kleine Wirkungen zu beobachten sind) und sorgt für eine hohe Sauerstoffversorgung im Körper. Diesen Ablauf bezeichnet man als Sauerstoffenster.
Das Resultat ist eine schnellere Absättigung und eine Verkürzung der Dekompression. Allerdings steigt durch diese Vorgehensweise der CNS-Wert enorm an. Sogenannte Air-Breaks sind notwendig um eine Überanspruchung des zentralen Nervensystems zu vermeiden.
Abgelegt unter: Gedanken | Tags: Bühlmann, Compartment, DCS, Deepstop, Dekompression, Gewebe, Gradient Factor, Haldane, HF, High Factor, LF, Low Factor, M Value, Pyle, Workmann
Wenn man einem absoluten Tauchneuling von Dekompressionstauchgängen erzählt werden die Augen oft sehr groß, denn die meisten Verbände lehren in Anfangskursen nichts zur Dekompression. Insgesamt ist das Thema Dekompression zwar in aller Munde, doch mehr als die Basics des Themas trauen sich nur wenige zu. Das führt dazu, daß trotz zahlreicher, regelmäßiger Dekompressionstauchgänge besonders in deutschen Seen Dekompressionstheorie noch etwas mystisches an sich hat. Aus diesem Gründen ist der Titel des Artikels natürlich nicht wörtlich zu nehmen, sondern verweist auf die (hoffentliche) Simplizität des Artikels. Das Dekompression nicht gelehrt wird und als etwas gefährliches dargestellt wird ist auf der einen Seite sehr gut verständlich, da das alleinige verstehen von Dekompression während Tarrierfähigkeiten noch nicht vollständig ausgeprägt sind sehr schnell sehr ungesund oder gar tödlich enden kann. Auf der anderen Seite sättigt der Körper bei jedem Tauchgang, und sei er noch so flach, etwas auf. Folglich kann man eigentlich jeden Tauchgang als Dekompressionstauchgang bezeichnen wenngleich es nur bei längeren Tauchgängen zu einer “verpflichtenden” Absättigungsstufe beim Austauchen kommt. Doch weshalb ist das so? Dieser Artikel soll Begriffe wie M-Value, Gradient Factor, Compartments, Low Gradient Factor und High Gradient Factor kurz darstellen und versuchen ohne wissenschaftliche Tiefe zu verdeutlichen worum es bei dem Thema geht.
Jedem Taucher dürfte klar sein, daß sich je 10m 1bar Druck zum Umgebungsdruck addiert. Diese Druckzunahme wird in Graphen als “Ambient Pressure Line” dargestellt. Es dürfte auch jedem Taucher bekannt sein, daß sich Gase unter Druck in Flüssigkeiten lösen. Je mehr Druck, desto mehr gelöstes Gas. In unserer normalen Atemluft betrifft das vor allem Sauerstoff und Stickstoff. Unter anderen Bedingungen verändert sich selbstverständlich auch die Einflußgröße anderer Gase, aber darauf möchte ich hier nicht eingehen. Der Körper besteht aus verschiedenen Stoffen (Geweben), in denen sich Gase verschieden schnell lösen. Diese werden zu Gruppen mit ähnlichen Löslichkeitskoeffizienten zu Kompartimenten (Compartments) zusammengefasst. Als Faustregel kann man sagen, daß je mehr Wasser in einem Compartment zu finden ist, desto schneller löst sich ein Gas darin. Folglich sind Knochen langsame Gewebe während Blut ein schnelles Gewebe ist. Wahrscheinlich hat jeder Taucher auch das bekannte Beispiel mit der ausperlenden Wasserflasche in seiner Ausbildung gehört. Wenn der Druck nachlässt löst sich das Gas wieder von seinem Träger (aus dem Gewebe) und “diffundiert” heraus. Kurz gesagt, das Gas geht unter Druck rein und wenn der Druck nachlässt kommt es wieder raus. Die entstehenden Blasen gilt es zu vermeiden. Das heißt, daß die Aufstiegsgeschwindigkeit so langsam sein muß oder die Masse an gelöstem Gas so gering sein muß, daß beim Aufstieg die Blasen klein genug bleiben um ohne “Verstopfung” bis zur Lunge geleitet zu werden um dort abgeatmet zu werden. Und das muß auch aus den Kapilargefäßen (ganz hauchfeine Adern) funktionieren. Jede Verstopfung würde hier eine Dekompressionskrankheit (DCS) zur Folge haben. Hierbei sollte man auch subklinische Symptome wie extreme Müdigkeit im Auge behalten (Quasi eine DCS 0). Um etwas fachlich korrekter zu werden bedeutet das, daß der Umgebungsdruck nicht zu sehr vom Gasdruck in den Geweben abweichen darf, da sich der Gasdruck in den Geweben an den Umgebungsdruck anzupassen versucht. Bei einer zu großen Abweichung wird schnell viel Gas gelöst und dadurch eine Blase geschaffen. Die Linie dieser Abweichung wird allgemein als M-Value bezeichnet. Das bedeutet, daß sobald man diese M-Linie überschreitet die Gefahr einer DCS stark steigt. Doch woher kommt diese Linie, wie wird sie berechnet und gibt es nur diese eine Linie?
Die Linie ist historisch immer weiterentwickelt worden. Ursprünglich “erfunden” wurde sie von einen Hauptmann der US Navy namens Workmann. Der Mann war nebenher noch Arzt und stellte fest, daß seine Navy-Taucher nach dem Tauchen immer ganz übel aussahen und zog die Verbindung zum Druckunterschied zwischen Inertgas im Gewebe und dem Umgebungsdruck (Wobei die DCS bereits früher durch Haldane bekannt wurde). Durch Tests am lebenden Objekt entwickelte er die erste M-Linie. Etwas später wurde diese Linie jedoch abgeschwächt, da man feststellen mußte, daß hochtrainierte Navy-Taucher nicht dem Bevölkerungsdurchschnitt der Taucher entsprachen. Dazu muß man vielleicht noch erwähnen, daß ein Navytaucher mit DCS aus dem Dienst entlassen wurde und daher eher die Zähne aufeinanderbiss bevor er wirklich eine DCS meldete. Man kann also sagen, daß die M-Line von Workmann die physische Maximalgrenze darstellt. Bühlmann entwickelt darauf hin ebenfalls bei diversen Tests seine neue M-Linie. Diese liegt wesentlich tiefer als die von Workmann. Daraus entwickelte Bühlmann einen Algoritmus, den ZH-L16, der bis heute genutzt wird. In rund 16.000 Tauchgängen wurde dieser von Bühlmann validiert und ist damit bis heute der einzige statistisch ausreichend geteste Algoritmus. Wie der Name schon sagt geht der Algoritmus von 16 verschiedenen Geweben aus, wobei das schnellste Gewebe eine Halbwertszeit (Hälfte der Zeit die ein Kompartment zur vollen Aufsättigung benötigt) von 4 Minuten hat, während das langsamste von 635 Minuten ausgeht. Dieser Unterschied wird beim Auftauchen insofern relevant als das je nach Länge des Tauchgangs unterschiedliche Gewebe bestimmend werden, da jeweils das am höchsten aufgesättigte Gewebe die Dekompression bestimmt. In der Grafik sieht man verschiedenfarbig die verschiedenen Gewebe und die M-Line von Bühlmann sowie verschiedene M-Lines für die verschiedenen Gewebe. Wenn man etwas von Bühlmann ZH-L16a,b und c liest, so sind das Variationen des ursprünglichen Modells, die immer konservativer wurden. Die ursprüngliche M-Linie war anhand eines Musterprofils (runter, Grundzeit, rauf) geplant worden, was jedoch nicht dem realistischen Tauchgang entspricht.Durch die verwendung von Tauchcomputern wurde es den Tauchern deutlich, wie weit sie sich vom Ende der Nullzeit weg befinden und es kam vermehrt zum “Nullzeitschrammeln”, weshalb der im Mustermodell entstehende Puffer wegfiel. Um diesen Puffer wieder einzufügen wurde das Modell ZH-L16c entwickelt.
Bei der Betrachtung des Graphen fällt auf, daß die abzubauende Druckdifferenz der oberen, aufgesättigten Gewebe beim ersten Stop sehr groß ist. Da diese Gewebe unterhalb ihrer M-Linie liegen ist zwar nicht mit einer DSC zu rechnen, jedoch ist damit zu rechnen, daß viele Blasen entstehen. Die Entstehung von Blasen an sich wird kontrovers diskutiert. Auf der einen Seite bewegen sich kleine Blasen schnell und lassen sich gut abtransportieren und abatmen, auf der anderen Seite bilden bereits vorhandene Blasen eine Basis für weiteres diffundierendes Gas um eine größere Blase zu bilden (gleicher Effekt von sich verbindenden Tropfen an der Scheibe). Aus diesem Grund entwickelte ein Mann namens Pyle sogenannte Deepstops (oder auch Pylestops). Diese kurzen Stops in der Tiefe verringern das Druckgefälle und somit die Blasenbildung.
Die M-Linie stellt somit das Maximum des zu empfehlenden Druckunterschieds dar und je weiter man von dieser Linie entfernt bleibt, desto größer ist der Sicherheitspuffer. Da jeder Körper anders ist und auch anders auf Druck reagiert ist die M-Linie jedoch nicht zwangsläufig für jeden richtig. Auch wurde die Linie nur bei Sporttauchern validiert. Für Tauchgänge in dunklen und kalten Gewässern, die anstrengend und belastend sind wurde die Linie nicht getestet. Auch für Leute mit erschwerenden Körpereigenschaften (z.B. Fettleibigkeit) ist die M-Linie nicht zwangsläufig eine sichere Variante. Und für technische Tauchgänge wurde die Linie ebenfalls nicht entwickelt, da an Mischgastauchen im Sporttauchbereich zu Bühlmanns Anfangszeit nicht zu denken war. Aus diesem Grund sollte jeder Taucher für sich individuell die Linie anpassen. Das wird mit sogenannten Gradient Faktoren gemacht. hierbei existiert ein High-Factor und ein Low-Factor. Sind beide Faktoren auf 1 entspricht er der M-Linie des verwendeten Algoritmus. Die Gradient Faktoren bezeichnen prozentual den gewählten maximalen Druckunterschied zwischen gelöstem Inertgas und Umgebungsdruck. Wenn also beide Faktoren 0,8 sind, so bleibt ein Sicherheitspuffer von 0,2 (20%). Das Resultat sind jedoch längere und eventuell mehr Stops. Der Low Factor bezieht sich hierbei auf die “tiefe” Seite der Linie, während der High Factor die “flache” Seite der selbst gewählten M-Line beschreibt. Da man von einer graden Linie ausgeht bestimmen diese zwei Faktoren also die Steigung der Kurve. Je niedriger der Low Factor, desto frühere Deepstops werden in der Tiefe auftauchen, während der High Factor die Stops am Ende des Tauchgangs beeinflusst. Welche Faktoren man hier wählt ist eine Erfahrungs- und Gefühlssache und individuell verschieden. Dabei muß man wahrscheinlich etwas experimentieren bei welchem Profil man sich nach dem tauchgang am fittesten fühlt.
Wie auch bei den Gradient Faktoren muß man aber sagen, daß sich die Forschung konstant weiter entwickelt. Grade das Thema Dekompression ist stark umstritten. Es ist daher auch nicht ausgeschlossen, daß sich die aktuellen Erkenntnisse bald überholen. Neben Forschungen zu Jojo-Profilen in der Deko werden auch Deepstops weiterhin genaustens beleuchtet. Gute Artikel findet man hierbei immer mal wieder im Caisson. Gute Artikel, die Dekompression erklären gibt es vor allem von Eric C. Baker (Understanding M-values, Clearing Up The Confusion About “Deep Stops”). Aus seinen Papers habe ich auch die Grafiken “entwendet”. Auch das Buch “Tauchmedizin” von Bühlmann gibt einen tieferen Einblick in das Thema. Solltet ihr irgendwelche Fehler in dem Text entdecken, Verbesserungsvorschläge haben oder zu einem Thema eine andere Meinung haben, würde ich mich freuen wenn ihr Eure Ergüsse mit mir teilt.
Abgelegt unter: Gedanken | Tags: Ausfall, ausfallen, Dekompression, Dekompressionsunfall, Knoten, Problem, Spool, Tauchcomputer, Tiefe, Zeit
Auf Grund des vergangenen Ereignisses bin ich etwas nachdenklich geworden. Mein Tauchcomputer (TC) fiel auf über 40m im Walchensee mit Deko auf dem Schirm aus. Was tun? Die erste Wahl ist sicherlich mit dem Buddy auszutauchen und nach dessen Dekodaten eventuelle Stops abzuleisten. Dadurch würden eventuelle Tiefenunterschiede beim Tauchen (und seien es nur 1-2m) vollkommen ignoriert. Das wäre sicherlich zu verkraften, da die aktuellen Algoritmen Sicherheitspuffer eingebaut haben und tendenziell konservativ rechnen. Aber was tun, wenn kein Buddy da ist? Sicherlich ist das aus Sicht der meisten Taucher eine No-Go Situation, doch sei es nun auf Grund von mangelnder Sicht und einem verlorenen Buddy, sei es auf Grund anderer Probleme oder auf Grund eines leichtsinnigen Solotauchgangs, sich selber helfen zu müssen kann vorkommen. Aus diesem Grund sollte bei der Überlegung davon ausgegangen werden, daß man sich selber helfen können muß. Die Antwort der Solotauchausbildung liegt in Redundanz. Zwei Tauchcomputer am Arm erlauben die Übersicht. Einer als Bottom Timer, der im Fall des Falles mit Hilfe der vorher aufgeschriebenen Tabelle den Aufstieg erlaubt. Mit diesem Modell im Kopf habe auch ich mir zwei Tauchcomputer zugelegt.
Beim vergangenen Tauchgang warf mir Mareike dann bei dem Thema eine Frage an den Kopf, die mich zum Schwitzen brachte: Was tun, wenn beide TCs unterschiedliche Werte anzeigen? Welchem TC vertrauen (die Frage erinnert an die Frage nach der Anzahl der O²-Sensoren bei RBs)? Nun gut, wenn man sich in 2m befindet ist eine Unterscheidung ob 2 oder 15m stimmen machbar. Doch in 40m ist zwischen 40 und 50m kaum zu unterscheiden. Da selbst die Tiefe nicht eindeutig zu bestimmen ist, wäre weniger die Frage nach der Dekostufe interessant (die man ja durch die Tabelle ablesen könnte), sondern vielmehr die Frage nach der aktuellen Tiefe um den Stop auch in der richtigen Position abzuhalten. Welchem Rechner vertrauen? Dem tieferen und ggf. mehr auf als absättigen? Oder dem flacheren um ggf. Verletzung der jeweiligen Zone zu erreichen? Das Resultat für Mareike bestand darin zu sagen, daß ein weiterer TC für sie keine weitere Sicherheit bietet und ggf. der Rechner des Tauchpartners die entscheidenden Daten liefert.
Ich war mit dieser Entscheidung noch nicht ganz zufrieden. Denn sollte der TC nicht ganz ausfallen, sondern generell falsche Werte anzeigen ist es für mich alleine mit einem TC nicht feststellbar. Sollten zwei TCs unterschiedliche Werte anzeigen weiß ich immerhin, daß irgendetwas nicht stimmt. Wichtig würde dann sein, daß die angegebene Zeit zumindest in etwa stimmt (sehr große Abweichungen kann man wahrscheinlich intuitiv erahnen und ansonsten würde man den längeren und somit konservativeren Wert als Basis für die Dekoberechnung nehmen) und das man eine entsprechende Tiefenreferenz bekommt. Eine Redundanz des Tauchcomputers stellt somit für mich bereits einen Sicherheitsgewinn dar, beantwortet aber immer noch nicht die Frage, welcher Kalkulation ich nun grob folge. Die gleiche Regel wie mit der Zeit ließe sich auch für dien Tiefe einführen. Größere Tiefen abzuschätzen ist hingegen eine wahre Herausforderung (besonderes für ungeübtere Taucher) und birgt somit ein größeres Risiko. Eine Lösung könnte ein dritter TC sein. Doch irgendwann macht man sich auch lächerlich mit zu viel Gebaumel am Arm.
Eine günstige und praktikable Lösung ist es, in das Spool für den Surfacemarker bei gewissen Tiefen Knoten zu machen. 1 Knoten auf 3m, zwei Knoten auf 6m, drei Knoten auf 9m und vier Knoten auf 12m. Diese Methode lässt sich sicherlich auch bis 21m weiter führen, wird dann jedoch irgendwann unübersichtlich. Der Vorteil liegt in der Ertastbarkeit der Tiefe. Selbst bei schlechten Bedingungen wäre auf diese Art und Weise ein geordneter Aufstieg möglich. Besonders, da der Großteil der Deko auf 3-9m abzusitzen sind könnte man mit einem sehr langsamen Aufstieg bis in diese Tiefen auch ohne einzelne Dekostops wahrscheinlich das Gröbste verhindern. Das Problem bleibt jedoch die zur Berechnung der Dekostops notwendige Maximaltiefe. Da man bei einem dekopflichtigen TG in der Regel etwas länger auf einer gewissen Tiefe verbracht hat ist es sicher möglich auch hier eine grobe Schätzung abzugeben.
Was ist das Resultat der ganzen Überlegung?
- Ein zweiter TC hat nur in den tieferen Sinn Abweichungen und Fehlfunktionen eines TCs zu identifizieren und ggf. bei einem vollkommenen Ausfall einzuspringen
- Eine Tabelle mit Aufstiegszeiten (ggf. mit entsprechenden Dekogasen) ist im Notfall unumgänglich wenn man nicht auf DoF zurückgreifen möchte
- In das Spool eingeknotete Tiefenanzeigen ermöglichen eine Identifikation der wichtigsten Tiefen im worst case
- Es lohnt sich in regelmäßigen Abständen während des Tauchgangs die TCs zu überprüfen um im schlimmsten Fall eine Idee zu haben, wie lange man schon unter Wasser unterwegs ist und auf welchen Tiefen man die maximale Tiefe oder die meiste Zeit verbracht hat um große Abschätzungen, im Fall unterschiedlicher Anzeigen, machen zu können
- Ein Buddy und der TC zwischen den Ohren sind in dem Fall von fehlgeleiteten Instrumenten sicherlich die beste Lebensversicherung
Ich würde mich freuen, wenn ihr Eure Gedanken zu dem Thema mit mir teilen würdet.
Abgelegt unter: Gedanken | Tags: Blasen, DAN, Dekompression, Flirt-Studie, Jo-jo, Jojo, Leonardo, Profil, Studie
Zur Zeit scheint die Forschung der DAN der Theorie nachzugehen, daß Jojo Profile womöglich blasen-reduzierend wirken könnten. Entsprechende Tests mit Schweinen verliefen erfolgreich. Einen rudimentären Bericht gab es hierzu auf WDR5. Das Manuskript dazu findet ihr hier: Leonardo Studie zu Dekompression.
Ich bin auf die Ergebnisse der Studie gespannt.
Abgelegt unter: Tauchen | Tags: Dekompression, Stage, Starnberger See, Wand, Wasserwacht
Heute war es nach einer Studienpause endlich wieder soweit und ich hatte mich mit drei weiteren Recken an der Wasserwacht am Starnberger See zum Tauchen verabredet. Ivo, Florian und Koen waren mit von der Partie und wir trafen auch noch Uwe. Es ist schön wieder hier zu sein
Ein Rebreather, drei Doppelpakete und zwei Stages landeten im Wasser und wir bildeten zwei Zweiergruppen. Geplant waren um die 30m, in die linke Richtung und dann zurück. Direkt nach dem Einstieg kreuzte uns eine Tauchschulgruppe, die ihrem Namen alle Ehre machte. Bepackt mit Splitfins pflügten sie wie die Wildsäue durch den Untergrund. Glücklicherweise schlugen sie eine andere Richtung an und so blieben wir für den restlichen Tauchgang von schlechter Sicht verschont. Leider verloren wir die andere Zweiergruppe bei dem Versuch der Wolke auszuweichen und trafen sie erst wieder als sie uns auf 30m in der Dunkelheit entgegen kamen. Wir setzen den Tauchgang dennoch in entgegengesetzten Richtungen fort. Mit 35,5m um sich eine teilweise verrottete Schubkarre anzusehen war der tiefste Punkt erreicht. Auf 15m wechselte ich auf die Stage. Es klappt inzwischen wesentlich besser. Die anderen zwei erreichten die Oberfläche nach ca. 60min und wir beendeten den Tauchgang mit 18min Deko nach 82 min.
Die Sicht ist im Einstiegsbereich generell mittelmäßig (für Starnberger Verhältnisse) mit ca. 3m, ab 20m klärt es auf und wird mit der Tiefe besser. In 30m hatten wir ca. 15m Sicht. Die Temperatur dort liegt wie im Winter bei ca. 5°C. Allerdings ist es oberhalb der Sprungschicht bei 7m mit 15°C angenehm warm für die Deko. Ich freue mich auf den kommenden Tauchgang.
Abgelegt unter: Ausbildung,Gedanken | Tags: Bühlmann, Deco, Dekompression, Gradients, high gradient factor, low gradient factor, M Values, Navy, Safety Factors, Tabellen
Gestern war vom DDU ein Stammtisch zur Dekompression angesetzt worden, um M-Values, O2-Fenster, Gradients, etc. etwas näher zu beleuchten, Fragen zu beantworten und hinter das Mysterium Dekompression (welches auch wissenschaftlich noch in mancher Ausprägung schwer greifbar ist) näher zu beleuchten und zu verstehen. Zu fünft schlugen wir also in einem überschaubaren Kreis im Augustiner auf und begannen nach etwas einführendem Gespräch einem Vortrag zur Entstehung und zum aktuellen Forschungsstand zu lauschen. Alle Vortragsteile wurden vorbildlich mit Quellen und Material sowie mit Literatur zum weiteren Vertiefen belegt.
Den kompletten Abend an dieser Stelle zusammen zu fassen ist schier unmöglich, da er sich über 5 Stunden zog. Die Vertiefung bestätigte mich in meinen bisherigen Schlußfolgerungen zu deko on the fly, warf jedoch auch einige Gedanken und Begründungen über Board. Beizeiten werde ich diesen Exkurs auch wieder fortführen.
Ein Informationsstammtisch wie der erlebte ist auf jeden Fall sehr empfehlenswert und informativ. Ich habe viel mitgenommen und auch einige neue Zusammenhänge knüpfen können. Das Thema ist erstaunlich komplex und auch besonders im Bereich der Forschung sehr spekulativ!
Ein Buch wurde mir während des Workshops mehrfach ans Herz gelegt: Tauchmedizin von A.A. Bühlmann. Zwar ist Bühlann nicht mehr der frischste Algorithmus, jedoch die einzige ausführlich getestete Grundlage auf der die meisten heutigen Modelle aufbauen. Er stellt somit die einzige “sicher” verifizierte Dekompressionsgrundlage dar.
Abgelegt unter: Gedanken | Tags: Dekompression, Flossenübung, Stage Drill, Übungen, Valve Drill, Wärme
Im Zuge meiner letzten, längeren Deko habe ich auf dem 3m-Stop diverse Übungen (Flossentechnik, V-Drill,…) durchgeführt. Die Gedanken dahinter waren simpel: Zum einen lenkt das etwas von der Kälte ab, zum anderen wärmt Bewegung immer etwas und zuletzt kann Üben ja nicht schaden.
Die Reaktion auf die Veröffentlichung meiner Betätigung war vielfältig und durch die Bank negtiv. Daraufhin habe ich mir die Frage gestellt, ob Bewegung während der Deko tatsächlich generell schlecht zu bewerten ist.
Auf mehreren Seiten stieß ich dann auf Bestätigungen meiner Theorie. Bewegung während der Deko ist empfehlenswert! Die Wärme ist zum einen ein wichtiger Faktor zur Vermeidung einer DCS und zum zweiten wird durch Bewegung verhindert, daß einige Extremitäten unzureichend durchblutet werden und dadurch womöglich sogar anfälliger für DCS werden. “Untätiges Rumhängen” wirkt demzufolge sogar kontraproduktiv!
Natürlich bedeutet das jetzt nicht, daß man sich während der Deko anstrengenden Tätigkeiten widmen sollte (da durch den ansteigenden Blutdruck bei Anstrengung komprimierte Blasen in den arteriellen Kreislauf gelingen könnten) oder Tätigkeiten, die womöglich zum Abbruch der Deko führen (z.B. Trockirolle). Wer jedoch bei Flossentechniken, S- oder V-Drills angestrengt wird macht wahrscheinlich generell einiges sehr falsch


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