Abgelegt unter: Tauchequipment | Tags: Analyse, Ausrüstung, GOX 100, Nitrox, Oxymeter, Sauerstoff, Sicherheit, Sumatec
Nach einem Monat Funkstille wird es Zeit wieder einmal etwas bereichendes beizutragen. Die Zwischenzeit war leider recht taucharm geprägt, jedoch hat ein weiteres Ausrüstungsteil den Weg zu mir gefunden, was eigentlich schon seit Langem überfällig ist: Ein Analysegerät für Sauerstoff. Eigentlich gehört dieses Teil in jeden Tauchschrank spätestens wenn man beginnt etwas erhöhte Sauerstoffwerte in seiner Buddel zu schnüffeln, denn auch wenn der Kamerad in der Tauchbutze einen hochprofessionellen Eindruck macht und einem während des Füllens von seinen Exkursionen durch die Maschinenräume der “Franken” vor Danzig erzählt ist er vor Leichtsinnsfehlern nicht gefeit. Und da Nitrox bekanntlich wenig mit technischem Tauchen zu tun hat, sondern wirklich auch (oder grade) jeden Urlaubstaucher betrifft sollte an dieser Stelle nicht gespart werden. Die Auswirkungen eines Sauerstoffkrampfes sind weitreichend bekannt und so gehört es zur gewissenhaften Vorbereitung am Tauchplatz noch einmal den Sauerstoffgehalt des Gemischs zu prüfen.
Die Funktionsweise naherzu aller Analysegeräte ist ähnlich bis identisch. Sauerstoffmoleküle diffundieren durch eine dünne Membran und werden an einer Goldkathode reduziert. Die dafür benötigten Elektronen werden durch Oxidation von Blei zur Verfügung gestellt. Je größer der O2-Partialdruck im Atemgas ist, desto mehr Elektronen diffundieren durch die Membran und werden am Goldblech reduziert. Der vom Sensor gelieferte Strom wird größer. Der Sensorstrom wird mit einem Widerstand in eine Spannung gewandelt und von einer Elektronik gemessen. Je mehr Sauerstoff fließt, desto größer die Oxidation. Da im Inneren der Analysezelle das Material irgendwann vollständig oxidiert ist und allerspätestens zu diesem Zeitpunkt keine messbare Änderung mehr eintritt haben diese Zellen ein klares Verfallsdatum und müssen regelmäßig gewechselt werden. Da sich die Zelle nie absolut luftdicht abschließen lässt verfallen auch ungenutzte Zellen mit der Zeit. Daher ist es nicht ratsam diese Analysezellen auf Vorrat zu kaufen und zu lagern.
Ein wesentlicher Unterschied der Analysegerät ist die Wechselbarkeit der Sensoren. Einige Analysegeräte sind als Wegwerfgeräte konstruiert. Mit ca 70 EUR kosten sie pro Einkauf ca. 10-20 EUR mehr als ein einzelner Sensor, jedoch ca. 60 EUR weniger als ein Analysegerät mit wechselbaren Sensoren. Nach ca. 6 Lebenszyklen hat man diese Differenz folglich raus geholt. Die Länge eines Lebenszyklusses hängt maßgeblich von der Lagerung und der Nutzungsintensität ab, sodaß keine verbindliche Dauer genannt werden kann. Sumatec beziffert jedoch die Lebensdauer eines ungenutzten Sensors mit ca. 2 Jahren.
Entgegen meiner Aussage wenige Zeilen zuvor kann man natürlich auch ein paar EUR sparen, selbst wenn man auf Sicherheit nicht verzichten möchte. Ich habe dazu den Markt nach Modellen durchsucht, die günstige und verfügbare Sensoren zum selber Wechseln haben und mich dann auf die Suche nach gebrauchten Modellen gemacht. In meine engere Wahl kamen das GOX 100 und das Sumatec Oxymeter. Das GOX 100 schlägt im Laden mit 125 EUR zu Buche (alternativ 135 EUR für das GOX 100 T, welches noch die jeweilige MOD für Matheschwache ausgibt). Die passende Zelle kostet einzeln je 65 EUR. Das Oxymeter kostet 150 EUR und die passende Zelle je 60 EUR.
Der Zufall lies mich auf ein gebrauchtes, aber funktionsfähiges Oxymeter stoßen, was ich für knapp über 25 EUR (inkl. Koffer, der jeweils bei den Neu-Preisen nicht enthalten ist und ca. 15 EUR kostet) erstand. Selbst mit neuer Zelle ein Schnäppchen (Beim Gebrauchtkauf immer bedenken, daß eine neue Sensorzelle höchstwahrscheinlich noch dazugekauft werden muß. Häufig sehe ich Personen bei ebay nahezu Neupreise für gebrauchte Analyzer zahlen, die mit neuem Sensor teurer als Neuware sind).
Mit meinem Kauf bin ich aktuell sehr zufrieden. Eine Bedienungsanleitung gibt es bei Sumatec als Download und die Bedienung ist intuitiv. Genauere Erkenntnisse dazu werde ich aber erst nach einiger Zeit anbieten können.
Abgelegt unter: Tauchequipment | Tags: Algorithmus, Armband, Auslesen, batterie, Beleuchtung, Bottomtimer, Deepstop, Deko, Gaugemodus, Gewebe, Höhenlage, Interface, Mares Puck, Sicherheit, Software, Test
Vor einiger Zeit habe ich meinen Tusa IQ-700 auf Grund von Aussetzern durch zwei Mares Puck ersetzt. Seitdem habe ich den Puck bei einigen Tauchgängen auf Herz und Nieren testen können.
Ausschlaggebend für den Kauf des Pucks war zum einen der niedrige Preis von 130 EUR während der TC zum anderen einen Gaugemodus besitzt und somit als Bottomtimer genutzt werden kann. Letzteres ermöglicht es mir den Computer auch bei Tauchgängen mit Dekogasen zu nutzen, denn dann kommt eine Runtimetabelle zum Einsatz, da der Puck keine Gaswechsel berechnen kann. Bei der Nutzung als Bottomtimer ist mir allerdings aufgefallen, daß der Puck auf Grund der limitierten Ziffernanzahl nur bis 99 Minuten zählen kann (allerdings auch im “normalen” Modus). Das bedeutet, das man ein wenig im Auge behalten muß, ob man nun 30 Minuten oder bereits 130 Minuten unter Wasser ist. Alles in allem halte ich diese Challenge aber auch unter Druck für eine zu managende Herausforderung. Entgegen einigen anderslautenden Aussagen speichert der Puck jedoch das Profil weit länger als 99 Minuten. Zum Auslesen komme ich aber später noch. Die zweistellige Anzeige ist allerdings auch dafür verantwortlich, daß der Puck keine Tiefe unter 99m anzeigen kann. Für solche Tiefen wurde er jedoch mit Sicherheit auch nicht konstruiert, sondern vielmehr als günstiger Urlaubsrechner.
Der Puck startet seine Messung ab ca. 1,3m Tiefe. Sollte man sich beim Flossen anziehen also einmal bücken müssen läuft die Zeit und die Messung
Sollte man nach dem Tauchgang in den Bereich der Deko kommen bietet der Puck einen Korridor von 1,2 m an um die Deko abzusitzen. Ein optionaler Deepstop wird ebenfalls berechnet. Diese, sowie der Sicherheitsstop werden in Minuten und Sekundenschritten angezeigt, was das Absitzen auch für ungeduldige Wesen erträglich macht. Der Mares Puck kann auch mit erhöhten Sauerstoffwerten, sprich Nitrox, rechnen. Allerdings nur bis zur sportlichen Höchstgrenze von 40%. Die Nitrox-werte werden jeweils vor dem Tauchgang eingespeichert und lassen sich unter Wasser nicht mehr ändern. Als Algorithmus wird der Wienke RGBM, wie bei allen mares Rechnern, genutzt. Insgesamt ist der Algorithmus dem von Suunto recht ähnlich, erweist sich jedoch beim ersten Tauchgang als etwas konservativer, während er bei Wiederholungstauchgängen, grade mit Deko, etwas aggressiver rechnet. Der Algorithmus berücksichtigt 10 Gewebearten und liegt damit im Mittelfeld der aktuellen Tauchcomputer. Subjektiv fühle ich mich jedoch mit dem Modell ganz wohl, wenngleich ich weiß, daß auch eine kürzere Dekozeit als angezeigt möglich wäre – ein gewisser Puffer ist also gegeben. Es ist auch möglich, den Puck zu einer konservativeren Rechenart zu zwingen, indem man den Sicherheitsfaktor erhöht. Dann verhungert man jedoch auf der Deko auf 3m. Ein klarer Nachteil des Puck ist, daß er nicht in der Lage ist durch den Luftdruck automatisch die Höhenlage anzupassen. Man muß also auf dem Berg selber manuell anpassen, wo man sich befindet. Das vergisst man leider schnell und schon zeigt sich weshalb der eingebaute Sicherheitspuffer seine Daseinsberechtigung hat.
Technisch gesehen ist der Puck ausreichend gut konstruiert. Das Display ist ab Werk mit einem Kratzschutz geschützt und unter Wasser gut abzulesen. Die Einknopfbedienung, für die der Puck bekannt ist, ist recht simpel zu bedienen und folgt einer eingängigen Logik. Der Tauchcomputer hat eine eingebaute Beleuchtung, die durch langes Drücken des Knopfes angeschaltet wird. Allerdings erweist es sich unter Wasser als nicht ganz einfach mit dicken Handschuhen den Knopf zu drücken. Ist diese Hürde überwunden leuchtet der Puck in sattem Grün für ein paar Sekunden. Im Endeffekt ist es leichter den Rechner anzuleuchten. Leider leuchtet er nicht nach, sondern schimmert unter sanftem Lichteinfluß nur ein bisschen. Dadurch braucht man das Licht zwar auch erst bei vollkommener Dunkelheit, jedoch wäre ein Nachleuchten wie beim IQ-700 sehr praktisch.
Ebenfalls nur mittelmäßig gelungen ist das Armband, was für einen Trocki eigentlich zu kurz geworden ist. Ich habe aus dem Grund erstmal beide Rechner mit einem Bungeemount versehen. Inzwischen habe ich mich bekehren lassen, einen der TCs wieder mit dem normalen Armband zu versehen, da man im Falle eines Wassereinbruchs den Arm mit Hilfe des Armbandes soweit verschließen kann, daß der weitere Einbruch zumindest längere Zeit zurückgehalten wird. Um das erfolgreich zu machen muß ich mir jedoch erst einmal ein Verlängerungsarmband besorgen. Ein, inzwischen weitestgehend üblicher, Pluspunkt ist die selbst zu wechselnde Batterie. Der Wechsel ist sehr einfach für jedermann umsetzbar und erfordert kein Geschick oder technisches Verständnis.
Ein letzter zu diskutierender Punkt ist das Auslesen des rechners am PC. Ein Auslesen ist mit Hilfe eines DRAK Interfaces (welches häufig auch als Nachbau angeboten wird und somit bezahlbar wird) möglich. Leider ist das aber nur mit der original Mares Software möglich. Und diese Software ist weder vielseitig noch wirklich ausgereift. Sie liest den TC zwar zuverlässig aus und zeigt auch die Profile an – mehr aber auch nicht. Die DRAK Software speichert die Profile dann in einer Access Datenbank, die glücklicherweise in einige Software importiert werden kann. Ich nutze hierfür aktuell Diving Log 5.0 (PC) und Divelog (iPhone). Der Weg bis man auf diese Art ein anständiges Logbuch bekommt ist zwar etwas umständlich, jedoch ist das Ergebnis zufriedenstellend. Zusätzlich zum Profil speichert der Puck auch die Temperatur, Aufstiegsgeschwindigkeit, eingestelltes Gas sowie die Sicherheitseinstellungen. Alle weiteren Informationen und Bilder lassen sich mit Hilfe der Logbuchsoftware vor Ort einfangen und am PC vereinen. Das wird dann aber nochmal ein eigenständiger Artikel.
Als Fazit zum Puck lässt sich sagen, daß es sich um einen soliden Rechner mit kleineren Schwächen handelt. Die Schwächen sind jedoch nicht sicherheitsrelevant, sodaß der Rechner auch für anspruchsvollere Tauchgänge geeignet ist. Nachbesserungen wären an der Darstellung der Tiefe (Digits), am Armband, an der Größe des Bedienknopfes und an der Software zum Auslesen wünschenswert.
Abgelegt unter: Gedanken | Tags: balanced rig, Blei, Bleimenge, Minimalkonfiguration, Sicherheit
Es gibt eine ganze Reihe von Gründen die gegen eine Überbleiung sprechen. Von Überlegungen zum Balanced Rig, wo es auch darauf ankommt bei einem Ausfall eines Auftriebskörpers noch den Weg an die Wasseroberfläche zu schaffen bis hin zu Überlegungen zum größeren Kraftaufwand wenn man mehr Gewicht bewegen muß und damit evtl. verbundenen Ensufflements. Auf der anderen Seite sieht und liest man häufig von Tauchern, die mit weit über 10kg Blei in die Fluten absteigen.Auch bei dem vergangenen BoE war einer der ersten Schritte die Reduktion meines Bleis. Der Grundgedanke hinter der genutzten Bleimenge ist hierbei bei der Balanced Rig Kalkulation zu finden.
Als Reaktion auf meinen Artikel zum Balanced Rig wurde ich angeschrieben und eine interessante Diskussion entstand, in wie weit die Kalkulation realistisch ist (das lies sich weitestgehend durch nicht einkalkulierte Gewichtsfaktoren wie ein Argonset u.Ä. anpassen) und wie sinnvoll eine Minimalkonfiguration mit Blei ist. Das valide Argument ist, daß grade wenn man eine Rockbottomberechnung als Basis eines Problems ansieht zum Ende des Tauchgangs wenig Gas als Reserve bleibt während gleichzeitig die Atmung beider Taucher in die Höhe schießt und somit ein höherer Auftrieb gegeben ist. Das Resultat ist, daß ich bei einer knappen Balanced-Rig Kalkulation und knapp bemessenem Blei Probleme bekommen werde die Tiefe auf 3m zu halten. Die Jagd nach weniger Blei würde hiermit zu einem Risikofaktor. Da mir so spontan keine brauchbare Antwort dazu einfiel habe ich Wilke erneut angemailt mit der Bitte mir den Gedanken im genannten Kontext näher zu erklären.
Seine Antwort war recht simpel und logisch. Zum Einen ist davon auszugehen, daß bei einem Problem auf Tiefe die Ruhe bis in den Flachbereich wieder hergestellt ist und daß im Flachbereich selber auf Grund der Helligkeit, der (auch mentalen) Nähe zur Oberfläche und der Wärme seltenst Probleme auftauchen würden. Da im Idealfall auf 3m ein “Schluck” Luft im Wing ist um diesen zu stabilisieren wäre auch hier noch eine Möglichkeit Luft abzulassen gegeben. Insgesamt ist also eine “Überbleiung” mit 1kg kaum als Überbleiuung, sondern als Zielvorgabe aus meiner Sicht nicht unbedingt unsinnig um im schlimmsten Fall einen ausreichenden Puffer zu haben um die Tiefe halten zu können. Im Normalfall wird dieses Blei natürlich nicht gebraucht da man wenn alles glatt läuft dank der Rockbottomberechnung ja mit einem nicht ganz unerheblichen Gasvorat wieder aus dem Wasser steigt.
Die anfangs erwähnten 10kg Blei werden dennoch natürlich wesentlich zu viel sein und sich eher kontraproduktiv auswirken. Ich würde demnach die Balanced Rig Kalkulation als Basis heran ziehen und 1kg ergänzen. Was haltet ihr davon?
Abgelegt unter: Gedanken | Tags: Buddy, helfen, hilfe, Risiko, Sicherheit, Solo, Solokompetenz, tauchen
Wenn man jemandem von Solokompetenz erzählt bekommt man häufig die Antwort, daß man ja nicht alleine tauchen soll und Solotauchgänge ja sowieso fast tödlich seien. Die Phrase “Solokompetenz im Team” stößt oft direkt auf fehlendes Verständnis. Daher stellt sich die Frage, was Solokompetenz überhaupt ist.
Zunächst einmal stellt Solokompetenz die Fähigkeit dar, sich in jeder Situation ohne fremdes Eingreifen selbst zu helfen!
Doch wozu brauche ich diese Kompetenz wenn ich doch extra im Buddyteam unterwegs bin? Um diese Frage zu beantworten muß man Theorie von der Praxis getrennt betrachten. In der Theorie ist der Buddy mindestens genauso gut wie man selbst ausgebildet, handelt ruhig und besonnen, rechtzeitig und ist jederzeit aufmerksam in meiner direkten Nähe. Auch hat der Buddy in dieser Konstellation nie ein eigenes Problem. Die Aufzählung selber deutet bereits darauf hin, daß keiner dieser Punkte in der Praxis immer gegeben ist. Vielleicht einzelne, sehr selten jedoch alle. Und bereits ein fehlendes Element kann im Ernstfall schwerwiegende Folgen haben. Ein gutes Beispiel zeigt ein Vorfall in Hemmor vor einigen Jahren bei dem zwei erfahrene Berufstaucher in ihrer Freizeit mit normaler Sporttauchausrüstung abtauchten. In etwas über 30m Tiefe begann bei einem der Taucher der Regler abzublasen, worauf hin der andere Taucher eins der Ventile schloss – dummerweise das falsche. Auf Grund ihrer Routine und Ausbildung bekamen die beiden Männer das Problem schlußendlich in den Griff, aber man stelle sich die gleiche Situation einmal bei weniger routinierten Tauchern vor. Ein schlimmer Ausgang wäre fast vorprogrammiert. Der Schluß, den man aus dieser Geschichte ziehen kann ist, daß sich niemand mit der eigenen Ausrüstung so gut auskennen kann wie man selber und daß der Buddy stets nicht nur ein Sicherheitsgewinn sondern eben auch ein Risiko darstellen kann. Um dieses Risiko zu minimieren ist es hilfreich, die gröbsten Probleme selber lösen zu können. Das beginnt mit der Ausrüstungskonfiguration. Redundanzen und eigene Bedienbarkeit seien hier an oberster Stelle genannt. Dazu gehören einerseits (was bereits überall in Deutschland angekommen ist) zwei erste und zweite Stufen als auch andererseits die Bedienbarkeit der eigenen Ventile (was allgemein oft als rein für den technischen Bereich gesetztes Ziel angesehen wird). Auch die Frage nach einem redundanten Tiefenmesser sollte sich zumindest einmal gestellt werden. Ähnlich sieht es mit Auftriebsmitteln aus. Ich denke nicht, daß jedes einzelne Ausrüstungsteil immer redundant vorhanden sein muss um einen maximalen Sicherheitsgewinn zu erzielen, da zu viel Ausrüstung auch wieder zu einer Überforderung des Tauchers führt. Wo aber genau die Grenze zu ziehen ist verschwimmt und ist vom eigenen Sicherheitsempfinden jedes Tauchers auch ein wenig abhängig, denn Sicherheit beginnt im Kopf!
Der größte Feind des Tauchers ist die Panik. Abhängigkeit vom Buddy ist hier ein entscheidender Faktor. Es ist gefährlich sich hundertprozentig auf den Anderen zu verlassen, denn auch der beste Buddy kann selber im ungünstigsten Moment ein eigenes Problem haben und nicht in der Lage sein Hilfe zu leisten. Zu wissen, daß man in solch einem Moment vom anderen auch abhängig ist führt schon vor dem eigenen Problem zu einem unsicheren Gefühl was wiederum den Teufelskreis in Gang setzt. Es ist dagegen beruhigend zu wissen, daß man sich jederzeit selber helfen kann und der Buddy für den allergrößten Notfall falls irgendetwas selber nicht klappen sollte immer noch der Trumpf in der Hinterhand ist.
Warum sollte man dann nicht gleich alleine tauchen? Zugegeben, der Sicherheitsgewinn liegt nur im sehr geringen Bereich wenn man davon ausgeht, daß man sich in jeglicher Form selber helfen kann. Leider ist aber auch diese Idee theoretischer Natur. Es bleibt immer das Restrisiko, daß irgendetwas, was man vorher zig mal geübt hat, im Endeffekt nicht funktioniert. Und dann ist die Überlebenschance nicht gleich Null sondern liegt immerhin bei einem gewissen, höheren Wert – selbst wenn die Chance daß der Buddy als Helfer versagt durchaus gegeben ist. Wem diese Chance zu hoch ist, für den bietet SSI einen Kurs zum Thema Solotauchen an. Für alle anderen bietet Solokompetenz einen zusätzlichen Sicherheitsgewinn. Und jedes bisschen zusätzliche Sicherheit sollte beim Tauchen aus meiner Sicht wahrgenommen werden, da zwar die Chance eines Unfalls überschaubar ist, die Konsequenz eines Unfalls jedoch elementar.
Abgelegt unter: Tauchen | Tags: Boot, Diani Beach, Diani Marine, Equipment, Kenia, Riff, Sicherheit, Two Tank Dive, Wellengang
Heute sollte bereits der zweite Anlauf zu einem Tauchgang in Kenia starten. Gestern wollte ich endlich mal in warmem Wasser bunte Fische und Korallen bestaunen. In Diani Beach, Kenia hatte ich mich beim Diani Marine Dive Center, etwas südlich von Ukunda, für einen Two Tank Dive angemeldet. Es handelt sich um ein Padi ***** Dive Center mit angehängtem Hotel, wobei ich letzteres nicht genutzt habe. Das Tauchcenter machte einen durchaus guten Eindruck und war direkt gegenüber unserer Unterkunft. Der Kompressorraum war sauber und aufgeräumt und auch die Ausrüstung war ordentlich und zumindest bei visueller Überprüfung in gutem Zustand. Alles wurde mir ohne irgendwelche Probleme zugänglich gemacht und Fragen wurden beantwortet.
Regulär hätte das ganze 108 EUR kosten sollen (bezahlt wird auch in Euro, da der Besitzer selber Deutscher ist und das Management ebenfalls aus Europäern besteht), allerdings lies sich Jeff, der Manager, nach zähem Argumentieren auf 100 EUR für den Two Tank Dive inkl. Equipment runter handeln. Das Argument zu den geringen Rabatten war, daß auf Grund der insgesamt auffallend wenigen Besucher (was tatsächlich an der ganzen Küste außerhalb der Saison deutlich bemerkbar ist) keine großen Spielräume blieben um die sechs Basen zu betreiben. Zu der Zeit waren insgesamt sechs Taucher auf der Basis angemeldet. Beim Buchen von mehreren Tauchgängen wären natürlich noch größere Ermäßigungen drin gewesen (z.B. 10TG jeweils 39 EUR pro TG). Ich hätte nach den Tauchgängen zahlen können und es wäre auch eine Kreditkarte akzeptiert worden. Ich habe jedoch sofort bar bezahlt um später mir den Streß zu ersparen.
Um 8.00 Uhr sollte das Briefing starten und gegen 8.30-9.00 Uhr sollte es mit dem Boot los gehen. Dazu wird mit dem Boot an die Außenseite des den Strand umgebenden Riffs gefahren. Das Riff kann allerdings nur an zwei Stellen durchfahren werden und auf der Innenseite des Riffs scheinen sich Tauchgänge laut der Tauchbasis nicht zu lohnen.Ich war pünktlich vor Ort und es wurde Wasser, Tee und Kaffee angeboten. Da ich ohne Equipment angereist bin, habe ich danach mein Equipment ausgesucht und gepackt.Ein klarer Minuspunkt war, daß Tauchcomputer nicht ausgegeben wurden, sondern mit dem Argument “Der Guide hat ja einen” abgehandelt wurden. Lediglich nach einigem Nachfragen wurde mir ein Computer angeboten, den ich allerdings mieten mußte.
Danach wurden zu den Getränken Tabletten gegen Seekrankheit ausgegeben. Schließlich kamen zum Tauchgang ein Deutscher, ein Österreicher und noch ein deutsch sprechender Pole hinzu und in dieser wirklich lustigen Gruppe sollte es los gehen. Alle Taucher außer mir hatten mindestens einen AOWD, die Anzahl der TG reichte von 35-125. Das Briefing wurde auf englisch von einem lokalen Guide soweit wie möglich durchgeführt (wobei wir uns auch für deutsch hätten entscheiden können, die Guides sprechen beides). Er ging dabei auf alle relevanten Sicherheitsstandards ein, konnte jedoch auf Grund der Wetterlage den Tauchplatz nicht bestimmen und würde das weitere Briefing auf dem Boot durchführen. Außerdem wurden alle generellen Rahmenbedingungen (Gruppen, Zeichen, Sauerstoffausrüstug auf dem Boot, etc.) die fest standen besprochen. Jedem Guide wurden zwei Taucher zugeteilt. Das Briefing war aus meiner Sicht für alle Beteiligten sehr zufriedenstellend. Das Problem mit der Wetterlage liegt in den zwei Durchfahrten zur äußeren Seite des Riffs, die bei hohem Wellengang nicht befahrbar sind da das Schiff bei den Wellentälern auf das Riff zu schlagen droht.
Unser Equipment wurde von den Guides an Board gebracht und an Board wurden uns die Guides, sowie Captain und Assistent noch einmal einzeln vorgestellt und es wurde uns mitgeteilt, daß es Softdrinks und nach dem ersten TG auch Orangen gäbe, die im Preis enthalten seien. Nach dem zweiten TG würde auf dem Boot auch Bier angeboten werden, was jedoch zu zahlen sei. Danach wurde noch einmal der genaue Ort von Feuerlöschern, Funk, Sauerstoff und Reparaturkoffer, etc. angesprochen und die Rettungskette erläutert. Die Basis unterhält zwei Boote, wobei wir mit dem kleineren Boot unterwegs waren, welches ebenfalls einen ordentlichen Eindruck machte.
So starteten wir und führen ca. 20 Minuten nördlich um die Durchfahrt zu suchen und festzustellen, ob sie passierbar sei. Als wir dort endlich ankamen wurde uns mitgeteilt, daß eine Passage nicht möglich sei und die Tauchgänge damit heute ins Wasser fallen würden. Meine Enttäuschung kann man sich vorstellen. Mir wurde jedoch angeboten, am kommenden Tag es noch einmal zu versuchen. Der Guide (übrigens ein wirklich netter Kerl, der Kompetenz ausstrahlt) hat sich dafür auch hunderte Male entschuldigt. “Sicherheit geht vor” wurde als Parole ausgegeben, was man angesichts der finanziell engen Lage der Basis wohl auch glauben kann.
Am kommenden Tag habe ich es erneut versucht, wurde jedoch schon am Morgen informiert, daß bei frühmorgendlicher Überprüfung festgestellt wurde, daß e nicht klappen würde. Da es mein letzter Tag in Diani war, war für mich das Tauchen dort also gestorben. Frust! Wenigstens sollte ich mein Geld vollständig wieder bekommen. Wir wurden zum tagesaktuellen Wechselkurs Kenianische Schillige und ein paar Doller für das Kleingeld angeboten, was ich allerdings ablehnte (Was soll ich auf dem Heimweg mit Schilligen und US Dollars). Der Grund hierfür lag im Zahltag des letzten Monats, bei dem die Europäer der Basis mit Euro in Cash bezahlt wurden und daher wurde mein bereits bezahltes Geld gleich weiter verwendet. Nach einigem Hin und Her (zwischenzeitlich wurde mir noch ein Gutschein fürs Tauchen angeboten, den ich ja hätte weiter verkaufe können) wurde Jeff jedoch angerufen und ich wurde mit ihm auf eine kleine Reise geschickt, um bei ihm zu Hause die ausgezahlten EUR wieder zu bekommen. Das war dann zwar zeitaufwändig, aber ansonsten unkompliziert und auch hier stand mir unser alter Guide wieder äußerst freundlich und hilfsbereit zur Seite.
Als Fazit lässt sich also sagen, daß es wohl nicht hat sollen sein. Die Basis an sich habe ich als ordentlich und freundlich kennen gelernt, solange man ein bisschen Argumentieren in Kauf nimmt. Bezogen auf Sicherheit und Qualität kann ich auch nichts schlechtes behaupten. Im Vergleich zu den umliegenden Basen schien mir Diani Marine mindestens genauso viel, wenn nicht sogar etwas weniger zu kosten.


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